• nadine

Ich SCHWEIGE nicht – ich LEBE

Ich war lange sprachlos…und ohne Sprache kein Text!

Als ich allmählich wieder Worte fand, war es die Angst vor Kritik und Verurteilung, die mich auf meinem Blog über ein Jahr schweigen liessen. Schweigen zu der Welt, in der wir uns gerade befinden.

Es sind unsere Menschenkinder, die mich wieder gestärkt haben und mir den Mut gaben, meine Gedanken und Ansichten diesbezüglich zu äusseren. Denn ich sorge mich um unsere Menschenkinder, insbesondere um die Kleinsten, die sich noch voll und ganz in ihrer Entwicklung befinden. Als ob Leistungsorientierung und -druck noch nicht genug wären,

gerade die in der jüngsten Zeit getroffenen, sichtbaren Massnahmen sind für mich inakzeptabel. Was damit unseren Kindern indirekt kommuniziert wird, ist nicht tragbar.


Wir Erwachsenen, sei es als Eltern, Bezugs- oder Lehrpersonen, spielen bei der Kindesentwicklung eine äusserst wichtige Rolle: Wir sind Vorbild für unsere Kinder. Alles, was wir tun, wird vom Kind auf irgendeine Art verarbeitet, interpretiert und schliesslich nachgeahmt, sofern sich das Tun der Erwachsenen wiederholt. Im Grundsatz ist dies absolut keine bahnbrechende Erkenntnis und jedes Elternteil weiss, sollte mal ein Fluchwort über die Lippe springen, dass es nicht lange währt, bis der Nachwuchs es selbst benutzt. Andersrum ist es den wenigsten Eltern bewusst, dass wiederholte Tätigkeiten ohne weitere Anweisungen dem Kind gegenüber, wie beispielsweise das tägliche Tischdecken, plötzlich auch nachgeahmt wird.


So verhält es sich auch bei den jüngst getroffenen, sichtbaren Massnahmen, die den Menschen rund um den Erdball auferlegt wurden.


Wir dürfen nicht wegsehen - wir müssen hinsehen!


Anstelle nun mit wissenschaftlichen Beweisen (was ich grundsätzlich sehr gerne tu’) zu debattieren, möchte ich Dir eine Herzensgeschichte – eine Vision, welche ich bereits vor dem Jahrhundertereignis in mir trug – erzählen:


***

Es ist ein wunderschöner Frühlingsnachmittag. Meine Tochter kommt soeben ins Haus und trifft mich in der Küche an. Ich bin gerade daran frisches Brot zu backen. Da ich dies sehr gut kann, machte ich es mir zu meiner Aufgabe, alle täglich mit frischem Brot zu versorgen.


Meine Tochter ist schon länger aus der «Lebensgestaltung» zurück gekommen. Ich konnte während des Brotbackens hören, wie sie singend im Garten frisches Gemüse erntete. Manchmal ging das Singen in ein Summen über und da wusste ich, dass sie sich gerade konzentrierte und auf der Wiese nach essbaren Wildkräuter Ausschau hielt, die sie vorhin in der Lebensgestaltung kennengelernt hat. Manchmal wurde es still und sie genoss voller Ergebenheit einfach kurz den Moment.


In der Küche sagt sie „Mami, Mami - heute haben ich neue Wildkräuter kennengelernt. Die meisten davon sind auch Heilkräuter. Schau ich habe hier Schafgarbe gepflückt. Sie ist entzündungshemmend, antibakteriell, krampflösend und zugleich blutstillend, also ideal für uns Frauen!“ Ich schaue in ihr lächelndes Gesicht. Sie strahlt eine unerschöpfliche Energie und Lebenskraft aus. Und mein Herz platzt vor Liebe und Freude.


„Wunderbar“ sage ich erfüllt. „Hast Du Papi gesehen?“ - „Ja,“ antwortet sie, „er hilft gerade Manìka, die heute Morgen um 8.00 Uhr ihr Cria geboren hat.“ Cria wird ein Alpaka-Jungtier genannt. Es ist immer etwas ganz Besonderes, wenn ein Cria zur Welt kommt, denn die Trächtigkeit einer Alpakastute ist sehr schwierig festzustellen. So wissen wir nie, ob und wann ein Jungtier zu uns stösst und unsere Alpaka-Herde grösser werden lässt. Die Alpakas sind die Passion meines Mannes. Lange musste er warten, aber jetzt besitzt er eine kleine Herde, die er mit Liebe und voller Hingabe pflegt. Es gibt ihm einen harmonischen Ausgleich zu seiner Schreibtischarbeit, die er stets beibehalten hat. Und ich bin gerade daran mir Wissen anzueignen, wie man Alpaka-Wolle zu Faden spinnen kann, um künftig kuschlige Pullover für die Wintermonate herzustellen.


„Waaas?“ rufe ich freudig „Manìka hat Nachwuchs bekommen? Wie schön! Dann werde ich mich mit dem Brotbacken beeilen, so dass ich Papi im Stall ablösen kann.“ Ich nehme meine Tochter innig in die Arme und sie flüstert „Mami, ich helfe Dir, dann bist Du eher fertig…“. Ich strahle und nimm die Hilfe sehr gerne an. Denn mein Mann geht später noch zu unseren, etwas weiter entfernteren Nachbarn, die erst gerade hierhergezogen sind und ein Haus für sich bauen. Bei einem solchen Ereignis helfen immer alle mit. Zeit ist immer da.


Überhaupt, wir kümmern uns alle gemeinsam um alle: ob jung oder alt. Das Gemeinschaftliche ist einer der obersten Werte bei uns. Wir helfen einander, jeder nach seinen Möglichkeiten und Fähigkeiten, niemand hungert, niemand ist obdachlos und jeder hat immer dann Gesellschaft, wenn ihm danach ist. Wir haben es so eingerichtet, dass wir Haus an Haus mit unserer Familie zusammenwohnen. Davon kann jeder in der Familie profitieren.


Arbeiten nach der calvinistischen Haltung «Ohne Arbeit kein Lohn» kennen wir nicht mehr. Jeder arbeitet das, wonach er sich berufen fühlt und folglich auf eine einzigartige Weise sehr gut kann. Also jeder übt SEINE Berufung aus. Die meisten von uns haben auch mehr als einen Beruf, weil jeder mehr als nur etwas sehr gut kann. Mit zunehmendem Alter ändern sich die Tätigkeiten, da sich auch die Interessen ändern. Es ist die intrinsische Motivation, deren wir freien Lauf lassen und uns in der Wahl unserer Berufe dient. Wir lassen uns von ihr ab der Geburt leiten. Sie ist eine Selbstverständlichkeit für uns.


Während ich die Brotlaibe forme und in den Holzofen schiebe, rüstet meine Tochter bereits das von ihr geerntete Gemüse für das Abendessen. Wir pflanzen fast alles selber an. Unser Boden ist nährstoffreich, rein und frei von umweltschädlichen Substanzen. Unser Wasser holen wir aus den naheliegenden Quellen. Diese sind ebenfalls mineralstoffreich und rein. Man kann das Wasser bedenkenlos trinken.


Das, was keinen Platz zum Anpflanzen findet, tauschen wir mit unseren Nachbarn. Geld benötigen wir kaum mehr, es wurde einfach sinnlos. Ab und zu finden wir noch alte Scheine aus früheren Zeiten, die werden von den Kindern zu dreidimensionalen Objekten verarbeitet.


Diese Origami-Kunst haben sie von Aiko, einer alten japanischen Frau, gelehrt. Aiko war schon hier bevor ich mit meiner Familie hierherkam. Sie lehrte den Kindern durch fernöstliche Weisheiten Achtsamkeit. Aiko wurde sehr geliebt. Leider ist sie vor einem halben Jahr von uns gegangen. Sie durfte hier 102 wunderschöne Jahre erleben und friedlich ohne Krankheit bei ihren Liebsten für immer einschlafen. Da wir keine Chemie mehr zu uns nehmen, sind die Krankheiten stark zurückgegangen und dementsprechend ist es bei uns die Regel, dass unsere Alten in einem angemessenen Alter friedlich und ohne Qualen für immer einschlafen. Und niemand geht einsam.


Obwohl solche Ereignisse für uns Menschenwesen traurig sind, feiern wir diesen Abschied mit einem Fest. Für uns Erwachsenen als auch für die Kinder ist es selbstverständlich, dass der Tod genauso zum Leben gehört. Wir wissen, dass wir alle Eins sind und niemals getrennt sind oder werden. „Spätestens auf der Wolke sind alle wieder zusammen“ wie es meine Tochter von klein auf liebevoll umschreibt.


Dieses Bewusstsein ist für uns alle eine Natürlichkeit. Die meisten von uns «erwachten» als vor einigen Jahren eine Mikrobe zu politischen Ereignissen führten, die gravierende Folgen hinterliessen. Ich selber kann mich nur noch schwach an diese Zeit erinnern. Sie ist für uns nicht von Bedeutung und daher sind die Erinnerungen daran nur noch sehr schwammig.


Durch die Achtsamkeit und meinem Wissen über Ernährung, welche ich mir schon in jungen Jahren aneignete, esse ich heute gar kein Fleisch mehr. Mein Mann isst noch Fleisch, aber äusserst selten. Das heisst, nur dann, wenn ein Tier gestorben ist. Dann wird es manchmal als Lebensmittel verwendet. Die Zeiten, in denen andere Lebewesen für uns ausgenutzt und gequält wurden, sind längst vorbei.


Der Konsum von Non-Food-Gütern und Dienstleistungen, wie man es einst kannte, hat an Bedeutung verloren. Statt zu «shoppen» oder uns in Freizeitanlagen zu verweilen, plaudern, lachen und philosophieren wir. Oder bilden uns weiter. Wobei die Bildung nicht an altbekannten Schulen geschieht. Wir lernen täglich von unseren Mitmenschen. Unsere Kinder lernen von uns Eltern oder in der Lebensgestaltung. So wie es gerade stimmig ist. Feste Zeiten für die Lebensgestaltung gibt es nicht. Jedes Kind kommt, wie es ihm sein Biorhythmus erlaubt und geht, wie es mag. Und dennoch, oder gerade deswegen, werden sie zu selbst- und verantwortungsbewussten, starken Menschen, weil sie das lernen, was wirklich wichtig für die Entwicklung der Menschheit ist.


Schulnoten? Dieses Wort kennt kein Kind mehr. Sie werden nicht mehr gebraucht. Jedes Kind ist gut, so wie es ist. Das wissen wir und dafür werden keine Leistungsausweise oder Zeugnisse benötigt. Das Prinzip der intrinsischen Motivation kennt jeder und weiss das dies der einzig effiziente - wie man es früher in der Betriebswirtschaft nannte - oder einfach der erfolgreichste Weg in jeder Hinsicht für alle Beteiligten ist. Ebenfalls wissen alle, dass Kinder ganz natürlich aus Eigenmotivation lernen und dafür keine extrinsischen Motivatoren von Nöten sind. Wir wissen, dass Kinder, die erfahren haben, dass ihr Interesse und ihr Handeln bedingungslos geschätzt werden, in ihrer Berufung (oder auch Berufsleben) ihr Interesse und Handeln bedingungslos der Gesellschaft widmen, aus einem Zugehörigkeitsgefühl heraus.


Es ist die Einfachheit. Das Glück im Kleinen, im Alltäglichen, im Kontemplativen, in der Meditation, im Gebet, in der Bildung, im inneren Wachstum*. Egal was es im Aussen für Herausforderungen gibt, wir sind gelassen, denn unsere Lebensfreude kommt von innen.


Während meine Tochter mit ihren Freunden draussen ein Hüpfspiel spielt, schreibe ich bis zum Abendessen an einem Text weiter. Nicht mehr für meinen Blog im Internet, sondern für die Kolumne unserer Tageszeitung. Durch die vielen Veränderungen in der damaligen Zeit fand ich meine Verbundenheit zum Schreiben über essenzielle Themen des Lebens und dessen Gestaltung, so folgte ich meiner Berufung eine Wissensstätte zur Lebensgestaltung zu schaffen. Für Kinder und Erwachsene. Intuitiv und verbindend begleite ich dort Jung und Alt in ihrer Neugier nach Wissen und wecke in ihnen Impulse für ihre eigene Lebensgestaltung.


Diesen wunderschönen Frühlingstag beenden wir - wie jeden Abend - mit einem friedlichen Nachtessen in der Familie und einem hawaiianischen Ritual, dass zu unserem Lebensstil geworden ist: Ho’oponopono. Verbunden in einem Moment der Stille.


Wir leben nicht in der Vergangenheit und nicht in der Zukunft. Wir leben im Jetzt.

***


Vertieft im Schreiben meiner Herzensgeschichte merke ich, dass die Zeit vorangeschritten ist und ich bald meine Tochter vom Kinderhaus abholen muss. Zuerst aber backe ich noch das Brot für unser Abendessen...im Wissen, dass diese Geschichte bald keine Vision, sondern mein Herzensweg, meine Realität sein wird.


Namaste

Nadine



Quellenangaben und weiterführende Links/Bücher:


*Zitat von Professor Dr. Renato Mizza (nach Recherchen schätzungsweise ein Pseudonym)












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